Update: Linux 2.6.30

Neuer Kernel, neues Glück - Das gilt jedes Mal aufs neue für Besitzer aktueller Hardware. Tatsächlich bringt das jüngste Kind der Linux-Kernel-Familie wieder ein umfangreiche Paket an neuen Treibern mit, aber auch Verbesserungen und neue Funktionen haben die Entwickler mit an Bord gebracht.

Mit NILFS2 steht nun ein Log-strukturiertes Dateisystem zur Verfügung, das Änderungen immer am Ende des bisher beschriebenen Bereichs sequentiell anfügt. Überschrieben wird erst, wenn der Datenträger physikalisch vollständig beschrieben ist, wodurch eine sehr hohe Sicherheit gegen Datenverlust gegeben ist, auch die Erstellung von Schnappschüssen im laufenden Betrieb und Versionierung ist möglich, jedoch erkauft man sich dies mit einer geringeren Leistung im Vergleich zu den aktuell verbreiteten Dateisystemen.

Auch EXOFS ist ein neues Dateisystem im Linux Kernel, das die Nutzung objektorientiert arbeitender Speicher - im Vergleich zu blockorientiert arbeitenden Datenträgern - unter Verwendung des auf SCSI aufsetzenden OSD-Protokolls (Object-based Storage Device), erlaubt. Ebenfalls in den Bereich der Dateisysteme fallen die ersten Schritte zur Unterstützung von NFS v4.1. Dieses wird derzeit jedoch noch entwickelt und ist daher standardmäßig deaktiviert. FS-Cache setzt ähnlich CacheFS auf bestehende Netzwerk-Dateisysteme auf und verringert durch Zwischenspeichern die Wartezeiten beim Zugriff auf die im Netzwerk gespeicherten Daten.

Weiterhin wurden einige Verbesserungen an Dateisystemen eingeführt, die unter anderem das Vertrauen in Ext4 wiederherstellen sollen. Dieses wurde etwas getrübt, nachdem Systemneustarts nach Umbenennen oder schreibbar Öffnen von Dateien dazu führten, dass sie ohne Inhalt auf dem Dateisystem zurückblieben. Der hierfür verantwortliche Mechanismus "Allocate-on-flush" findet sich auch in anderen Dateisystemen wie Ext3 und btrfs wieder, sodass übergreifend Optimierungen vorgenommen wurden.

POHMELFS (Parallel Optimized Host Message Exchange Layered File System) ist ein verteiltes Netzwerk-Dateisystem, das sehr hohe Leistungen erreichen soll, indem von mehreren Quellen gleichzeitig gelesen werden kann und Schreibvorgänge in einen lokalen Zwischenspeicher erfolgen. Starke Authentisierung und Verschlüsselung der Netzwerkübertragung sorgen für eine hohe Sicherheit der Daten. DST (Distributed STorage) stellt ebenfalls ein Netzwerk-Dateisystem dar, das die Einrichtung von Hochperformanten Netzwerk-Speichern ermöglichen soll. Es setzt dabei auf beliebige Medien und Protokolle auf und kann sowohl lokale als auch entfernte Ressourcen nutzen.

Das RDS-Protokoll (Reliable Datagram Sockets) dient dazu, von einem Socket aus mehrere Zielsysteme anzusprechen und soll damit die Kommunikation von Rechnern in einem Cluster untereinander verbessern.

Ein weiterer Schritt zum beschleunigten Systemstart wurde von Intel mit Fastboot beigetragen. Dabei wurde ein asynchroner Startvorgang implementiert, wodurch die Suche Geräten und Partitionen nicht mehr nacheinander sondern parallel zur Initialisierung anderer Geräte oder Dienst erfolgen kann.

Der IEEE-Standard IEEE 802.11w (Wireless Management Frame Protection Support) wurde zwar noch nicht verabschiedet, dennoch steht die Unterstützung hierfür im Linux-Kernel bereits zur Verfügung. Der neue Standard soll die Sicherheit in Drahtlos-Netzwerken erhöhen, indem Netzwerk-Pakete, die der Verwaltung des WLANs dienen, zusätzlich geschützt werden.

Bislang wurde der Kernel immer nur größer, was in erster Linie den immer neuen Funktionen und der fortschreitenden Geräteunterschützung geschuldet ist. Um wieder einmal einen Schritt zurück zu machen, zumindest was die reine Größe angeht, wurde nun LZMA und BZIP2-Kompression impelementiert. Mit BZIP2 kann eine Reduzierung des Speicherbedarfs um 10 Prozent gegenüber der herkömmlichen GZIP-Kompression erreicht werden, unter Zuhilfenahme von LZMA sogar bis zu 33 Prozent.

Zusätzlich stehen natürlich wieder neue Treiber zur Verfügung (Auszug):

  • Netzwerk:
    • Atheros AR9170 USB Chipsatz
    • Atmel at76c503/at76c505/at76c505a USB Adapter
    • Marvell 88W8xxx PCI/PCIe Wireless Adapter
    • Neterion X3100 Series 10GbE PCIe Adapters
    • Prism54 SPI
    • Intel 82576 Virtual Function Ethernet
    • Opencores 10/100 Mbps Ethernet MAC
  • Audio:
    • Atmel AC97 Controller
    • Atmel Audio Bitstream DAC
    • Turtle Beach Multisound Classic/Pinnacle
  • V4L/DVB:
    • Intel CE6230 DVB-T USB2.0
    • Freescale MC44S803 Tuner
    • Aiptek DV T300
    • Zarlink ZL10036 DVB-S Tuner
    • ST STV6110 silicon Tuner

Erweiterungen an bestehenden Treibern wurden ebenfalls wieder vorgenommen, so unterstützt der backlight-Treiber nun die Steuerung der Hintergrundbeleuchtung von MacBook 5, MacBook AIR 2 und MacBook Pro 5, um nur einen zu nennen. Eine vollständige Übersicht findet sich wieder auf KernelNewbies.org.

Quellen: Linux Kernel Mailing List, Kernel Newbies

Siehe dazu auch: Der Mai im Kernel-Rückblick, freiesMagazin 06/2009, Der April im Kernel-Rückblick, freiesMagazin 05/2008


Update: Der Kernel 2.6.30 für Ubuntu im Mainline-Kernel-Archiv:

Achtung, die Installation von Fremdpaketen kann die Systemstabilität beeinträchtigen!
Die Pakete sollten in der jeweils vorgegebenen Reihenfolge installiert werden.

Architektur i386 (32 Bit):

  1. linux-image-2.6.30-020630-generic_2.6.30-020630_i386.deb
  2. linux-headers-2.6.30-020630_2.6.30-020630_all.deb
  3. linux-headers-2.6.30-020630-generic_2.6.30-020630_i386.deb

Architektur amd64 (64 Bit):

  1. linux-image-2.6.30-020630-generic_2.6.30-020630_amd64.deb
  2. linux-headers-2.6.30-020630_2.6.30-020630_all.deb
  3. linux-headers-2.6.30-020630-generic_2.6.30-020630_amd64.deb

NILFS2 soll besonders auf SSD

NILFS2 soll besonders auf SSD besonders performant sein. Ich warte schon händeringend darauf.

SSD rocks!

Auf SSD ist alles performant - zumindest im Vergleich zu magnetischen Datenträger. Aber NILFS kann Ext2,3,4, xfs, jfs usw vermutlich nicht annähernd das Wasser reichen, sobald sich die Platte mal füllt. Das heißt, Schreibvorgänge dürften flott laufen, aber das Suchen und Lesen von Daten dürfte erheblich langsamer sein. Zumindest ist das meine Einschätzung.

CU Matze

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